Kent Nagano (© Anna Hult)

Kent Nagano (© Anna Hult)

Kent Nagano ist bekannt für seine intelligenten, klaren und eleganten Interpretationen. Gleichermaßen zuhause im klassischen, romantischen und zeitgenössischen Repertoire führt er das Opern- und Konzertpublikum weltweit an neue und wiederentdeckte Musik heran und bietet gleichermaßen neue Einblicke in das etablierte Repertoire. Seit September 2006 ist er Music Director des Orchestre symphonique de Montréal und seit Herbst 2013 Principal Guest Conductor und Artistic Advisor bei den Göteborger Symphonikern. Mit der Spielzeit 2015/16 beginnt Kent Nagano seine Amtszeit als Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Hamburger Staatsoper.

An der Bayerischen Staatsoper, wo er von 2006 bis 2013 Generalmusikdirektor war, gab er neue Opern bei Jörg Widmann (Babylon), Wolfgang Rihm (Das Gehege) und Unsuk Chin (Alice in Wonderland) in Auftrag. Zu den von ihm geleiteten Neuproduktionen gehörten Mussorgskys Chowanschtschina, Mozarts Idomeneo, Tschaikowskys Eugen Onegin, Strauss‘ Ariadne auf Naxos und Die Schweigsame Frau, Poulencs Dialogues des Carmelites, Messiaens Saint François d’Assise, Bergs Wozzeck, George Benjamins Written on Skin und Wagners Der Ring des Nibelungen. Tourneen mit dem Bayerischen Staatsorchester führten Nagano und das Orchester durch Europa und nach Japan. Zusammen haben sie Bruckners Symphonien Nr. 4, 7 und 8 eingespielt.

Im September 2011 weihten Kent Nagano und das Orchestre symphonique de Montréal dessen neuen Konzertsaal La Maison symphonique ein. Zu den Highlights zusammen mit dem Orchester gehören die kompletten Zyklen der Symphonien von Beethoven und Mahler, Schönbergs Gurrelieder, konzertante Versionen von Wagners Tannhäuser, Tristan und Isolde und Das Rheingold, Honeggers Jeanne d’Arc au Bûcher, Messiaens Saint François d’Assise sowie Konzertreihen mit Werken von Dutilleux (2010/11) und Boulez (2011/12). Tourneen führten Nagano und das Orchester durch Kanada, nach Japan, Südkorea, Europa und Südamerika. Zu ihren Einspielungen gehören eine Aufnahme mit Beethovens Symphonie Nr. 5 unter dem Titel Ideals of the French Revolution, die mit dem Juno Award ausgezeichnet wurde, Mahlers Lied von der Erde sowie Beethovens Klavierkonzerte Nr. 4 und 5 als Teil einer Einspielung aller Symphonien von Beethoven. Dessen Symphonien Nr. 3, 6, 8 und 9 sind zudem bei Sony Classical/Analekta erschienen.

Als vielgefragter Gastdirigent bei vielen der führenden Orchester der Welt leitete Kent Nagano die Wiener, Berliner und New Yorker Philharmoniker, das Chicago Symphony Orchestra, die Dresdner Staatskapelle und das Leipziger Gewandhausorchester. Er blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Sony Classical zurück, hat aber auch CDs bei Erato, Teldec, Pentatone und Deutsche Grammophon sowie bei Harmonia Mundi eingespielt. Für seine Aufnahmen von Busonis Doktor Faust mit der Opéra National de Lyon, Prokofjews Peter und der Wolf mit dem Russian National Orchestra sowie Saariahos L’amour de loin mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin wurde er mit Grammys ausgezeichnet.

Eine wichtige Station in Naganos Laufbahn war seine Zeit als künstlerischer Leiter und Chefdirigent beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin von 2000 bis 2006. Sie führten gemeinsam u.a. Schönbergs Moses und Aron auf (in Zusammenarbeit mit der Los Angeles Opera) und gastierten bei den Salzburger Festspielen mit Zemlinskys Der König Kandaules und Schrekers Die Gezeichneten sowie im Festspielhaus Baden-Baden mit Parsifal und Lohengrin, inszeniert von Nikolaus Lehnhoff. Zu Naganos Aufnahmen mit dem Orchester gehören Bernsteins Mass, Bruckners 3. und 6. Symphonie, Beethovens Christus am Ölberge, Wolfs Mörike-Lieder, Mahlers 8. Symphonie, Schönbergs Die Jakobsleiter und Friede auf Erden sowie Johannes Brahms? Symphonie Nr. 4 und Arnold Schönbergs Variationen für Orchester op. 31. Als Ausdruck der Verbundenheit ernannte das Orchester seinen scheidenden Chefdirigenten 2006 zum Ehrendirigenten, eine Auszeichnung die in der sechzigjährigen Geschichte des Orchesters erst zum zweiten Mal vergeben wurde.

2003 wurde Nagano zum ersten Music Director der Los Angeles Opera ernannt, nachdem er bereits zwei Jahre lang Principal Conductor der Oper gewesen war. Zu Produktionen an anderen Opernhäusern gehörten u.a. Schostakowitschs Die Nase an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, Rimski-Korsakows Der Goldene Hahn im Châtelet in Paris, Hindemiths Cardillac an der Opéra National de Paris, Poulencs Dialogues des Carmélites an der Metropolitan Opera sowie bei den Salzburger Festspielen Hoffmanns Erzählungen, Zemlinskys Der König Kandaules, Schrekers Die Gezeichneten und die Uraufführung von Saariahos L’amour de loin. Zu den weiteren Uraufführungen, die er dirigiert hat, zählen Bernsteins A White House Cantata sowie die Opern Three Sisters von Peter Eötvös und The Death of Klinghoffer und El Niño von John Adams.

Als gebürtiger Kalifornier hält Kent Nagano engen Kontakt zu seiner Heimat und war von 1978 bis 2009 Music Director beim Berkeley Symphony Orchestra. Seine frühen beruflichen Jahre verbrachte Nagano in Boston am Opernhaus sowie als Assistent von Seiji Ozawa beim Boston Symphony Orchestra. Er spielte auf Wunsch von Olivier Messiaen eine Schlüsselrolle bei der Uraufführung von dessen Oper Saint François d’Assise. Messiaen wurde ein Mentor von Nagano und hinterließ ihm sein Klavier. Sein Erfolg in den USA führte zu Berufungen in Europa: von 1988 bis 1998 war er Music Director der Opéra National de Lyon und von 1991 bis 2000 Music Director des Hallé Orchestra.